Mittwoch, 6. Oktober 2010

Hawaiisplitter ... Fortsetzung

Stand die erste Woche in Hawaii unter den Vorzeichen der Akklimation und des finalen Trainings, stehen in der Wettkampfwoche für uns eher hardcorechillen, shoppen und studieren des neusten Triathletenbedarfs auf dem Programm.

Die IRONMAN-Messe eröffnete am Dienstag mit dem feierlichen Einzug der Nationenparade ihre Pforten und eröffnete das - zugegebener Maßen nicht ganz preisgünstige Schlaraffenland - für kaufwütige Triathleten.
Hier geht alles weg wie warme Semmeln, was den Aufdruck "IRONMAN 2010" trägt. Armbanduhren, Sport- und Freizeitkleidung, Rucksäcke, Sticker, Kaffebecher und Devotionalien bis zum Hundehalsband, -leine und fressnapf finden hier ihre Käufer.
Letzteres wurde gleich am Digme-Beach präsentiert.

Der Digmebeach gleicht langsam einem Tollhaus. Aus der in der vergangenen Woche noch gemütlichen Startmeile ist eine Massenankunft mit hektischem Treiben von 6:00 Uhr bis 10:00 Uhr geworden. Hier gilt es offenbar den Mitstreitern zu zeigen, wie toll es um seine eigene Fitness gemessen am Körperbau bestellt ist oder ggf. Respekt eingeflößt zu bekommen.
Zum Glück weiß ich, dass Muskelberge in der Regel keine großen Läufer sind und ich mit meiner überschaubaren Muskelmasse zumindest auf der Laufstrecke einen leichten Vorteil haben werde.


In der Zwischenzeit haben wir uns auch mit anderen Mitbewohnern symbiotisch gut gestellt. Der kleine Hausgecko ist uns schon bei Einzug aufgefallen. Dass dieses kleine Wesen allerdings Gefallen an Koffeinflecken auf dem Fußboden der Veranda fand, entdeckten wir erst heute. Mit Genuss schlürfte er die Tropfen vom Boden, die beim Einschenken der Tassen entstanden. Natürlich haben wir auf das auf die SD-Karte gebrannt.

Montag, 4. Oktober 2010

Trainingsabschluss

Zum offiziellen Abschluss unseres Trainings entschlossen , eine längere Anreise mit dem Auto nach Hawi, dem äußersten Wendepunkt der Radstrecke jenseits der Lavawüste, in Kauf zu nehmen. Dafür packten Danny, Micha und ich unsere Räder in den Van und fuhren begleitet von Asdis, Anjuli und Thomas früh am Morgen los.

Doch bevor wir aufs Rad wechselten, schoben wir eine touristische Aktivität ein. Die Straße führte über Hawi hinaus bis zum Polulou Valley Aussichtspunkt. Von hier hatten wir in tropischer Umgebung einen herrlichen Blick über die nord-östliche Spitze von Big Island.

Nach einem kurzen Stopp in Hawi mit Chai-Latte, Cappuchino und Bananabred-Muffins ging es endgültig los. Das Besondere an diesem Teilstück der Strecke sind die in den meisten Fällen extistierenden Windbedingungen. Heftigst bläst dieser den Radfahrern bis zum Wendepunkt entgegen, dann wieder in den Rücken, um kurze Zeit später seitlich, überwiegend stark böig, das Radeln schwer zu machen. Nicht selten ereignen sich dadurch vor allen bei den leichteren und unvorsichtigen Radlern schwere Stürze.

Freitag, 1. Oktober 2010

Materialcheck

Nachdem wir schon alle einen Platten bei der einen oder anderen Ausfahrt mit dem Rad auf dem Queen K´ Highway erlitten haben, können wir bestätigen, dass das Vittoria PitStop (Ein Flüssigdichtmittel, welches nach Defekt mittels eines Druckluftsprays den platten Reifen befüllt) seinen Zweck bravourös erfüllt. Ein Wermutstropfen sind die Nachkaufkosten: 15 $ pro platten Reifen sind kein billiges Vergnügen.

Die IRONMAN-Rechteinhaberin WTC aus Florida hat uns Triathleten eine Überaschung beschert, indem sie durch eine Neudefinition der Schwimm-Ausrüstungsregeln die bewährten Schwimmanzüge, im Triavolksmund Speedsuits genannt, verboten hat, um gleich darauf anders gearbeitete Schwimmanzüge zuzulassen.
Die Anzughersteller reiben sich die Hände und werfen in Massen neue, den aktuellen Regularien entsprechende Anzüge für viel Geld auf den Markt. Uns bleibt nur, das neue Material zu testen, um am Tag des Wettkampfes das Gefühl zu haben, wettbewerbsfähig zu sein.
Die aktuelle Mode wird präsentiert von den Models Micha, Danny und Dirk.

Donnerstag, 30. September 2010

Hawaiisplitter

Den 2. Tag in Folge haben wir auf der Schwimmstrecke Besuch von einer (derselben?) Delfinschule bekommen. Ca. 15 Define tummelten sich an der Boje "Mile 1.2" herum, unsere aktuelle 1.000 m Wendemarke für den morgendlichen Schwimmtörn. In greifbarer Nähe schwammen wir mitten in der Schule und freuten uns wie die Kinder.

Für viele ungewohnt sind die aktuellen Wetterverhältnisse in Kailua-Kona. Von der Pier bis an die Keauhou-Bay ist es ist tagsüber häufig bewölkt. Heute erwischte uns in Kona ein Schauer bei zugegebener Maßen immer noch ansprechenden 28 Grad. Gerüchten zufolge sollen erste Menschen hier doch schon gefroren haben. Um dem vorzubeugen, haben wir uns entschlossen, präventiv Frostschutzmittel einzunehmen.

Richtige Traumstrände sind die, von denen Postkarten geschossen werden. Gestern hat sich unser Expeditionsteam nach dem Einkauf von Postkarten als Beweisstücken aufgemacht, die versteckten Oasen zu finden. Offensichtlich ist das Team  fündig geworden.

Mittwoch, 29. September 2010

Dehnen, ey ...

Auf den gemeinen Triathleten prasseln am laufenden Band mehr oder weniger zielführende Informationen zur Verbesserung der IMML (individuell maximal möglichen Leistung) nieder. Jetzt reihe auch ich mich in die Riege der Schlauredner ein und gebe die Erfahrungen weiter, die mich bei meinen Workouts begleiten und gut ohne größeren Aufwand anzuwenden sind.

Dehnübungen der Wadenmuskulatur sind obligatorisch. Ich stelle zu diesem Zweck meinen Fuß mit der Hacke auf und drücke die auf einer Erhöhung befindliche Fußspitze möglichst dicht an die Schienbeinvorderseite durch Verlagerung des Körperschwerpunktes. In dieser Stellung sollte die Dehnung ca. 20 Sekunden gehalten werden. Nach drei Wiederholungen kann man die Übung durch Kopplung mit weiteren Bewegungen ideal ergänzen. Pumpende Armauf- und Abbewegungen fördern die Dehnung und kräftigen überdies die Armmuskulatur.
Wie sieht das in der Praxis aus? Man nehme die nächstgelegene, schräg gewachsene Palme und wende das vorstehende Rezept an, dann klappts sofort.

Dienstag, 28. September 2010

Vermessung Schwimstrecke, Posing, Chillen, Training, Speicher auffüllen..

Das Leben eines Triathleten ist von vielen Ritualen geprägt. Was für den "normalen Triathleten" gilt, ist erst recht auf IRONMAN Teilnehmer übertragbar.

Die morgendliche Pflichtübung an der Schwimmstrecke beginnend vom offiziellen Schwimmstart an der Ecke Palani Road / Alii Drive hatten wir mit folgender Aufgabe gespickt: Danny als schnellste Schwimmerin sollte sich an der getonnten Linie bis zur "Mile 1.2", einer genau abgemessenen Wendeboje für die halbe IRONMAN Distanz halten. Micha und ich orientierten uns am äußersten linken Schwimmbereich der Strecke, weil wir dort durch "Insidertips" günstigere Strömung erwarteten. Für uns als vergleichsweises "Treibholz" ist es immer wichtig, die Schwimmschwäche durch Ausnutzung aller legalen Tricks zu puschen. Und Gerüchte über hilfreiche achterliche Strömungen an der linken Streckenseite konnten wir in unserer Lage natürlich nicht ignorieren.
Als ich als 2ter unseres kleinen Wettkampfes nach 18:33 Minuten endlich die Boje erreichte, hatte Danny schon 2:13 Minuten Pause hinter sich und wirkte sichtlich entspannt. Micha als guter Dritter folgte mit weiteren 45 Sekunden Abstand.
OK, damit wäre bewiesen, dass die reine "Treibholztaktik" wohl nicht zielführend sein würde. Ich beschloss, in den nächsten Tagen weiter an der Form zu feilen um ggf. Plan B, das Wasserschattenschwimmen, besser umsetzen zu können.

Beim nächsten Tagesordnungspunkt waren wir voll auf unsere Crew mit Asdis und Anjuli angewiesen, "Posing". Das musste sein, wollte doch unsere Tageszeitung KN Material für eine Ankündigung des IRONMAN haben. In Abwesenheit von Jan, der dieses Jahr auf Hawaii debütiert und später anreist, haben wir einen Steinwurf von unserer Veranda entfernt auf den Lavarocks die Kameras zu glühen gebracht.

Die Laune war großartig, als wir gleich danach am Turtle Beach eine Honu ins Wasser gehen (turteln?) sehen konnten. Diese Lagune ist ein Paradies für die tropischen Fische und die grüne Meeresschildkröten, weil sie mit ihren von zahlreichen Korallen überwachsenen Unterwassersteinen Schutz bietet.
Nach ausgiebigem Chillen folgte eine 10 KM Lauf-Trainingseinheit im 5er Schnitt auf dem Alii Drive. Es gibt wohl kaum eine Laufstrecke, die mehr Atmosphäre für einen Triathleten zu bieten hat. Tolle Häuser und Villen mit super gepflegten Gärten in traumhafter Lage direkt an der Küstenlinie wechseln sich mit Hotel- und Apartmentanlagen ab und reihen sich über 9 Kilometer bis hinein nach Kona. Man ist Teil von Heerscharen durchtrainierter Triathleten, darunter auch Promis und Semipromis der Szene.
Spuren der Wirtschaftskrise sind auch hier unübersehbar. An jedem 4. Haus hängt ein Schild mit dem Hinweis "zu verkaufen".

Nach einem solch ereignisreichen Tag war die Auffüllung der Energiespeicher Pflicht. Micha der Fuchs erinnerte sich an die "Triathleten Montage" bei Pizza Hut. Für 12 $ kehrten wir dort ein und sorgten dafür, dass auch der morgige Tag sicher ohne kalorisches Defizit überlebt werden kann.

Wem es noch eines Beweises bedarf, dass die Tage von Kona anstrengend sind, der möge einen Bick auf das Foto werfen, was während der Arbeit des Autors an diesem Artikel entstanden ist.

Montag, 27. September 2010

Aloha, wir sind in Kona angekommen ...

Und schon wieder war es soweit. Nach einer langen Reise, diesmal von Hamburg über NewYork und Honolulo nach Kailua-Kona haben wir unser Quartier im wunderschönen Surf and Racquet Club in unmittelbarer Nähe zum "Turtle Beach" am Alii Drive bezogen. Eine wunderschönes, zweistöckiges Appartment mit vier Zimmern, Küche, 3 Bädern und einer riesigen Veranda direkt zum Meer, welches direkt 15 m vor der Fassade am Fels endet.
Auch diesmal lief nicht alles glatt. Danny vermisst ihren Koffer, der, wie wir gerade erfahren haben, jetzt noch in New York am Flughafen weilt und nachgeschickt werden soll. Ich habe außerdem ein wichtiges Adapterteil für meinen ERGOMO-Wattmesser vergessen. Zum Glück kommt Thomas in ein paar Tagen nach und bringt es hinterher, auf jeden Fall sehr rechtzeitig vor dem Rennen am 9.10. Glück muss man haben!